Wende binnen drei Minuten
Fußball-Kreisliga: Kranichfeld ist nach furiosem Endspurt zum 2:1 gegen Wickerstedt Meister / Schöndorf siegt 4:1
Was für ein Herzschlag-Finale in der Kreisliga! Ähnlich müssen sich wohl die Schalker Bundesliga-Profis im Sommer 2001 gefühlt haben, als ihnen Bayern München in der Nachspielzeit noch die Meisterschaft aus den Händen riss. Die Männer des Schöndorfer SV saßen gestern Nachmittag fix und fertig auf dem Berlstedter Rasen: Nicht nur die Hitze hatten ihnen zugesetzt, sondern auch die Enttäuschung. Denn fünf Minuten zuvor durften sie sich noch als Kreismeister fühlen – sie führten ohne Probleme 4:1, und Kranichfeld, so vermeldete die Kundschaft am Handy, lag immer noch 0:1 gegen Wickerstedt hinten.
Aber es sollte leider anders kommen. Bis zur 85. Minute rannten der Kranichfelder Kapitän Rico Kräuter und seine Männer dem Rückstand hinterher, versuchten es am Ende mit fünf Stürmern – und wurden tatsächlich noch belohnt. „Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen“, sagte Trainer Tobias Mähler nach den beiden Treffern kurz vor Ende. Ein langer Ball segelte in den Gästestrafraum – Ali Chebli, Torjäger vom Dienst, stand goldrichtig und hämmerte den Ball volley zum 1:1 ins Netz (85.). Danach schlug die große Stunde von Robin Wagenknecht: Bis dahin war er der tragische Held, hatte in der 5. Minute einen Elfmeter verschossen. Nun aber schaltete er bei einem Abpraller am schnellsten und drückte die Kugel per Kopf über die Linie (88.). Danach kannte der Jubel keine Grenzen mehr. „So ist Fußball. Wir rennen ewig einem Rückstand hinterher und drehen innerhalb von drei Minuten das Spiel. Wahnsinn!“, sagte Mähler.
Auf Wickerstedter Seite war man bedient. „Wir waren eindeutig die bessere Mannschaft, aber gegen Kranichfeld sollte es diese Saison einfach nicht klappen“, ärgerte sich Matthias Kipp, einer der beiden Trainer. „Außerdem sah das Siegtor für mich nach Abseits aus“. Sein Team hatte lange Zeit durch einen Freistoß von Rudi Hackbarth (30.) in Führung gelegen.
Schöndorf widerlegte derweil die alte Fußballerweisheit „Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr die Meisterschaft“. Ganze 18 Gegentore ließ unsere Truppe von Markus Haubold in dieser Saison zu (zum Vergleich: Kranichfeld kassierte 43). In Berlstedt klappte es zudem auch nach vorn gut. Stefan Brzezinski per Doppelpack sowie Sven Jäckel sorgten für die 3:0 Pausenführung. Philipp Gutt machte alles klar (49.).
Tore: 0:1 Brzezinski (27.), 0:2 Jäckel (37.), 0:3 Brzezinski (40.), 0:4 Gutt (49.), 1:4 Krauße (78.)
Quelle - T. A. 06.06.2011